Gedanken zu McGuiness


Betrachtet man das Leben mit etwas Abstand, so wird schnell klar, dass zwischen dem, was viele als Großes Ganzes bezeichnen und individueller Erfüllung Krieg herrscht.
Auf dem Schlachtfeld, das zwischen den beiden sich gegenüberstehenden Seiten liegt, bist du täglich zum Treueschwur aufgefordert. Für welche Partei wirst du deine geistigen Ressourcen einsetzen? Eine Frage, die – oftmals vernachlässigt – für kreativ arbeitende Menschen von höchster Bedeutung ist. Es liegt an dir, den Schauplatz des Gefechtes durch klare Entscheidungen in seiner Fläche möglichst zu minimieren und eine Trennschärfe zwischen beiden Gebieten zu schaffen, bei der du nicht täglich deine Zeit darauf verschwendest, mit dir selbst zu ringen, welche der beiden Seiten nun Priorität hat.

Natürlich wirst du der Tretmühle alltäglicher Verpflichtungen nie in Gänze entwischen können. Doch ein eindeutiges Bekenntnis zu dir selbst ermöglicht dir Sicherheit bei der Verwirklichung der Person, die du schon immer sein wolltest und auch sein kannst.
Die kreativen Reserven eines jeden Menschen sind limitiert. Auch wenn dein Ideenreichtum eine Angel im unendlichen großen See der guten Ideen ist, kannst du sie nicht 24 Stunden am Tag bewachen. Deine Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit muss sich erholen dürfen, damit du nach einer Pause dein kreatives Potential wieder vollends ausschöpfen kannst. Wenn du dein Potential, deine schöpferische Munition, für schnöde Dienstleistungsaufträge verpulverst, wirst du immer Teil einer gebetsmühlenartigen Massenproduktion bleiben. Wenn du dich selbst jedoch in den Fokus stellst und deine Pflichten anderen gegenüber auf ein Minimum herunterfährst, kannst du endlich beginnen dein exklusives Eigen zu erschaffen und dich von Kapital- und Normzwängen zu lösen. Deine Energie gegen einen niedrigen Geldwert oder kurzweilige soziale Bestätigung zu tauschen, wird dich nicht so weit bringen, wie du es schaffen kannst. Wenn du einmal diesem Denkmuster verfallen bist, wenn du dich den Leuten, die deine Kreativität Tag für Tag ausbeuten auch noch reumütig verpflichtet fühlst, weil sie dich ja schließlich entlohnen, wird deine ideenreiche Ader unter dem Druck der modernen Kommunikation platzen oder vom ständigen reizüberflutenden Grundrauschen abgeschnürt.

Dich und deine Prioritäten an erster Stelle zu sehen, darf nicht bedeuten, dass du wertvolle Netzwerke zu einflussreichen Personen vernachlässigst. Die, die zur Umsetzung deiner Pläne wichtig sind, stehen auf der Seite, der dein Einsatz zu Teil wird. Natürlich fällt dir nicht einfach die Antwort auf die Frage, wer für dich Mehrwert schafft und wer nicht, zu. Es geht vielmehr darum, einen Aushandlungsprozess mit sich selbst in den grundlegenden Einstellungen abzuschließen. Das heißt nicht, dass du im Nachhinein nicht noch etwas an kleinen Stellschrauben drehen kannst.

Langfristig kannst du den Egoismus einer Gruppe besiegen.

Halte dir vor Augen: Es ist nur eine Gruppe, die sich von den Reichen dieser Welt wie ein Ameisenhaufen von seiner Königin umher hetzen lässt und sich unter viel zu gewichtigen Aufgaben für ein Projekt, von dem es selbst keinen wirklichen Mehrwert hat, verschwendet. Wenn diese Einstellung das Fundament deines Mindsets ist, kann Erfolg in deinen von dir priorisierten Projekten ein Zwischenschritt zu wahrer Glückseligkeit sein.

Egal ob staatliche Institutionen oder kapitalstarke Privatleute: irgendjemand wird immer Leistung von dir für die eigenen Ziele verlangen. Ein Belohnungssystem, das neben Geld auf passive Aggressionen dir gegenüber verzichtet, wenn du etwas leistest und das ebenfalls nur von Getriebenen aufrechterhalten wird, begrenzt dein Potential.

Für mich ist klar: Ein Bestätigen stumpfer Aufgaben würdigt langfristig niemand. Für das Wahren der Norm wird dir keine Statue gebaut.
Du musst ein klares Limit für die Energie, die du auslagerst, um deinen Platz im System zu halten, einrichten – Klare, feste Grenzen. Deine Aufgaben, die du für andere erledigst, müssen in einem klar abgesteckten Zeitrahmen geplant und danach nicht mehr mit immer neuen Folgeaufgaben angereichert werden. Wenn du dir die Ausbeutung, die du erfährst einmal klar gemacht hast, fällt es dir umso leichter, wenn das tägliche Zeitlimit erreicht ist, alle anderen Fremd-Projekte bis zum nächsten Tag ruhen zu lassen, so als wäre der Zugang gesperrt.

Dich selbst in den Fokus zu stellen, soll auch bedeuten alles um dich herum wie bei einer Vignette verschwimmen zu lassen. Wenn du deine kreativen Ziele definiert hast, ist es wichtig, eine realistische Selbsteinschätzung deiner Leistungsfähigkeit zu entwickeln, um diese zu erweitern.

Finde heraus, an welchem Tageszeitpunkt du deine maximale Schaffenskraft hast und sieh diese als dein Heiligtum, eine Art einsame Insel, die nur du bewirtschaftest. Schaffe ein Umfeld aus bekannten Strukturen auf allen Sinnesebenen. Es wird dir den Einstieg in die Produktivität jeden Tag erleichtern.

Kreativ zu sein heißt, Routine für dich neu zu definieren.

ÜBER DEN AUTOR

Noah Sievernich

Noah Sievernich studiert Politikwissenschaft und Geschichte in Hannover. In seiner Podcaster-Laufbahn hat er gut 100 Sendungen auf den gängigen Streamingdiensten veröffentlicht. In seinem Politformat „Fässer ohne Boden“ diskutierte er bereits mit Journalist:innen der bedeutsamsten Zeitungen Deutschlands und zahlreichen Jungpolitiker:innen. In der wöchentlichen Comedy-Sendung „Seifensofa“ interviewte der Allrounder international bekannte Musiker:innen. Seine ganz persönliche Auseinandersetzung mit ROUTINE FÜR KREATIVE schildert er in unserem Blog*.

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